EmpCo-Test
Gratis-Check

Grundlagen

Nachhaltigkeitssiegel unter der EmpCo-Richtlinie

Nicht jedes Nachhaltigkeitssiegel darf künftig noch beworben werden. Die EmpCo-Richtlinie verlangt eine anerkannte Grundlage. Dieser Beitrag erklärt, welche Siegel riskant sind und worauf Unternehmen achten sollten.

Autor: EmpCo-Test RedaktionZuletzt aktualisiert: 11. Juli 2026

Siegel und Label sind ein wirksames Marketinginstrument: Sie signalisieren auf einen Blick, dass ein Produkt bestimmten Standards genügt. Genau deshalb nimmt die EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 Nachhaltigkeitssiegel besonders in den Blick. Denn ein Siegel entfaltet nur dann einen Nutzen für Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn dahinter eine belastbare, überprüfbare Grundlage steht.

Welches Problem adressiert die Richtlinie?

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Umwelt- und Nachhaltigkeitssiegel stark gestiegen. Viele beruhen auf unabhängigen Zertifizierungssystemen, andere jedoch auf selbst gesetzten, intransparenten oder rein werblichen Kriterien. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist kaum unterscheidbar, ob ein Siegel eine geprüfte Leistung dokumentiert oder lediglich ein Marketingzeichen ist. Die Richtlinie will diese Unsicherheit verringern.

Welche Siegel gelten als riskant?

Als besonders riskant gelten Nachhaltigkeitssiegel, die

  • nicht auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen und
  • nicht von einer staatlichen Stelle eingeführt oder anerkannt wurden.

Darunter fallen typischerweise selbst vergebene Siegel ohne unabhängige Prüfung, Zeichen ohne veröffentlichte Kriterien oder Label, deren Vergabeverfahren nicht nachvollziehbar ist. Solche Siegel können den Eindruck einer geprüften Nachhaltigkeitsleistung erwecken, ohne dass eine solche Prüfung tatsächlich stattgefunden hat.

Woran erkennt man eine tragfähige Grundlage?

Ein Zertifizierungssystem gilt tendenziell als tragfähig, wenn es mehrere Merkmale erfüllt:

  • Transparente Kriterien. Die Anforderungen sind öffentlich zugänglich und nachvollziehbar.
  • Unabhängige Überprüfung. Die Einhaltung wird von einer vom Anbieter unabhängigen Stelle kontrolliert.
  • Geordnetes Verfahren. Es gibt ein klares Vergabe- und Kontrollverfahren, das eine bloße Selbstauskunft übersteigt.

Auch staatlich eingeführte Kennzeichnungen können eine tragfähige Grundlage darstellen. Die genaue Einordnung im Einzelfall hängt von der konkreten Ausgestaltung ab und sollte bei Unsicherheit rechtlich geprüft werden.

Was bedeutet das für eigene Siegel?

Unternehmen, die eigene Nachhaltigkeitszeichen verwenden, sollten diese kritisch prüfen. Ein selbst gestaltetes Logo, das Nachhaltigkeit suggeriert, ohne auf einer anerkannten, unabhängigen Zertifizierung zu beruhen, ist mit erheblichem Risiko verbunden. Das heißt nicht, dass eigene Kommunikation über Nachhaltigkeitsleistungen unmöglich wird – konkrete, belegte Aussagen bleiben möglich. Ein siegelartiges Zeichen suggeriert jedoch eine unabhängige Prüfung, die tatsächlich vorhanden sein sollte.

Welche Arten von Siegeln lassen sich unterscheiden?

In der Praxis begegnen drei Grundtypen, die sehr unterschiedlich zu bewerten sind:

  • Von unabhängiger Stelle zertifizierte Siegel. Sie beruhen auf veröffentlichten Kriterien und einer Prüfung durch eine vom Anbieter unabhängige Organisation. Solche Siegel gelten tendenziell als tragfähig, sofern das dahinterstehende System nachvollziehbar ist.
  • Staatlich eingeführte oder anerkannte Kennzeichnungen. Auch sie können eine tragfähige Grundlage darstellen, weil sie auf hoheitlich festgelegten Anforderungen beruhen.
  • Selbst vergebene Siegel. Zeichen, die ein Unternehmen sich selbst verleiht, ohne unabhängige Prüfung, sind mit hohem Risiko verbunden – unabhängig davon, wie professionell sie gestaltet sind.

Diese Einteilung ist eine erste Orientierung, ersetzt aber keine Prüfung des konkreten Einzelfalls.

Was gilt für Bewertungen und Rankings?

Auch Bewertungssysteme, Ratings oder Auszeichnungen mit Umweltbezug fallen in den Blick, wenn sie siegelartig wirken. Entscheidend ist, ob die zugrunde liegenden Kriterien offengelegt und überprüfbar sind und ob die Bewertung von einer unabhängigen Stelle vorgenommen wird. Wird eine Auszeichnung ohne transparente Grundlage werblich hervorgehoben, kann dies dasselbe Irreführungsrisiko auslösen wie ein intransparentes Siegel.

Wie sollten Unternehmen vorgehen?

Ein praktikabler Ablauf umfasst mehrere Schritte:

  1. Bestandsaufnahme. Erfassen Sie alle Siegel, Label und siegelartigen Zeichen auf Website, Verpackung und in Kampagnen.
  2. Grundlagenprüfung. Klären Sie für jedes Siegel, ob es auf einem anerkannten Zertifizierungssystem oder einer staatlichen Grundlage beruht.
  3. Entscheidung. Siegel ohne tragfähige Grundlage sollten entfernt oder durch konkrete, belegte Aussagen ersetzt werden.
  4. Dokumentation. Halten Sie fest, auf welcher Grundlage jedes verbleibende Siegel steht.

Fazit

Nachhaltigkeitssiegel bleiben ein zulässiges Instrument – aber nur mit anerkannter, überprüfbarer Grundlage. Selbst vergebene oder intransparente Siegel sind unter der EmpCo-Richtlinie mit hohem Risiko verbunden. Wer seine Siegel frühzeitig prüft und auf belastbare Zertifizierungen setzt, stärkt zugleich die Glaubwürdigkeit gegenüber Kundinnen und Kunden. Da die nationale Umsetzung variieren kann und die Einordnung einzelner Siegel komplex ist, empfiehlt sich im Zweifel eine anwaltliche Prüfung.

Häufige Fragen

Hinweis: Automatisierte technische Prüfung und allgemeine Information – keine Rechtsberatung im Einzelfall. Keine Haftung für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität. Eine verbindliche Bewertung nimmt nur eine zugelassene Kanzlei vor. Es erfolgt keine Umformulierung oder Texterstellung.